Schulmedizin & Kräuterkunde im Vergleich
Was passiert im Körper, und wie gehen Schulmedizin und Kräuterkunde damit um? Fünf Symptomkomplexe, ehrlich eingeordnet. Mit wissenschaftlicher Evidenz-Bewertung für jedes Kraut.
Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine hormonelle Umstellung. Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Östrogen und Progesteron, und dieser Rückgang betrifft nicht nur die Fortpflanzungsorgane. Östrogen wirkt im ganzen Körper mit: auf die Temperaturregulation im Gehirn, auf die Stimmung, auf den Schlaf, auf das Gewebe im Intimbereich. Deshalb fühlen sich die Wechseljahre für viele Frauen wie ein Umbau an mehreren Baustellen gleichzeitig an.
Es gibt im Wesentlichen zwei sehr unterschiedliche Wege, diesem Umbau zu begegnen. Beide setzen an echten, teils denselben körperlichen Vorgängen an — nur mit sehr unterschiedlichen Mitteln, unterschiedlicher Stärke und unterschiedlich guter wissenschaftlicher Absicherung.
Schulmedizin
Direkt und rezeptorspezifisch
Isoliert meist einen hochwirksamen Stoff und lässt ihn gezielt an einer bestimmten Stelle andocken. Wirkt stark und zuverlässig, ist in großen Studien geprüft, kann aber Nebenwirkungen haben und ist nicht für jede Frau geeignet.
Kräuterkunde
Sanft und vielschichtig
Verwendet die ganze Pflanze mit vielen Inhaltsstoffen gleichzeitig. Wirkt meist schwächer, oft an mehreren Stellen zugleich. Stützt sich auf jahrhundertelange Erfahrung, für einige Kräuter inzwischen auch auf belastbare Studien.
Symptom 1 von 5
Das am häufigsten berichtete Symptom, und das am besten verstandene. Rund drei von vier Frauen erleben es, bei manchen über ein Jahrzehnt oder länger.
Was im Körper passiert
Im Hypothalamus sitzt eine Gruppe von Nervenzellen, die sogenannten KNDy-Neurone, die wie ein Thermostat des Körpers funktionieren. Solange genügend Östrogen vorhanden ist, hält das Hormon diese Zellen ruhig. Fällt der Östrogenspiegel, verlieren die Zellen diese Bremse, werden hyperaktiv und aktivieren das Temperaturregulationszentrum übermäßig stark.
Die Folge: Der Toleranzbereich für Temperaturschwankungen wird sehr viel enger. Schon eine minimale Erwärmung reicht, damit der Körper mit voller Wucht gegensteuert — Blutgefäße weiten sich, man schwitzt, das Herz schlägt schneller. Tagsüber: Hitzewallung. Nachts: Schweißausbruch, oft gefolgt von einem Kälteschauer.
Dieses System steht eng mit Serotonin und Noradrenalin in Verbindung, das erklärt, warum manche Medikamente gegen Depression auch bei Hitzewallungen helfen.
Was die Schulmedizin macht
Hormonersatztherapie (HRT)
Stellt die hemmende Wirkung auf die Nervenzellen direkt wieder her. Laut AWMF-S3-Leitlinie 2026 weiterhin wirksamste Behandlung. Wichtig: Zeitfenster, je früher nach letzter Regelblutung, desto günstiger das Nutzen-Risiko-Verhältnis.
Fezolinetant (Veoza®) & Elinzanetant (Lynkuet®)
Zwei neu zugelassene Wirkstoffe (2023/2025), die direkt den Botenstoff blockieren, der die überaktiven Nervenzellen stimuliert, ohne Hormone. Erster kausaler, nicht-hormoneller Ansatz überhaupt.
SSRI / SNRI (niedrig dosiert)
Antidepressiva wie Paroxetin oder Venlafaxin senken die Häufigkeit von Hitzewallungen um 25–69 % gegenüber Placebo, über die Serotonin/Noradrenalin-Schaltkreise, nicht über Hormone.
Gabapentin
Dämpft überaktive Nervenzellen allgemein. In hoher Dosierung (2.400 mg/d) vergleichbar mit niedrig dosiertem Östrogen, ungünstiges Nebenwirkungsprofil bei hoher Dosis.
Was die Kräuterkunde macht
Hopfen — 8-Prenylnaringenin
Eines der stärksten bekannten pflanzlichen Phytoöstrogene. Dockt an denselben Rezeptoren an wie Östrogen, deutlich schwächer. Zwei RCTs mit positiven Ergebnissen. Mechanistisch die direkteste Parallele zur HRT unter diesen Kräutern.
Shatavari — Rutin / Shatavarine
RCT 2025 (75 Frauen, 120 Tage): signifikante Reduktion der Beschwerden und Veränderungen der Hormonwerte FSH/LH — Hinweis auf tatsächlichen Eingriff in die Hormonachse. Bislang eine herstellernahe Studie, Replikation ausstehend.
Schisandra
Wirkt nicht über Östrogenrezeptoren, sondern adaptogen über die Stressachse (Cortisol-Suppression). RCT mit 36 Frauen zeigte Reduktion des Gesamtsymptomscores, am stärksten bei Hitzewallungen. Anderem Wirkmechanismus als HRT.
Angelica sinensis (Dong Quai)
Traditionell eingesetzt, aber in der methodisch saubersten Studie (Hirata et al. 1997, RCT) kein Unterschied zu Placebo bei vasomotorischen Symptomen. Ein Fall, wo Theorie und klinische Realität auseinanderfallen.
Einordnung
Keines der Kräuter erreicht die Wirkstärke der HRT oder der neuen NK3-Antagonisten. Hopfen und Shatavari zeigen in Einzelstudien positive Signale, große, unabhängige Studien stehen noch aus. Schisandra wirkt über einen anderen Weg und kann ergänzend hilfreich sein. Angelica sinensis hat für Hitzewallungen noch keinen Wirknachweis durch westliche Studien, aber eine über 2.000 Jahre alte, zentrale Rolle in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Eine Pflanze, die in einem so beständigen und ausgefeilten Medizinsystem diese Stellung einnimmt, sollte nicht vorschnell als wirkungslos bewertet werden. Fehlende Evidenz ist nicht dasselbe wie fehlende Wirkung, die Wissenschaft kann nur finden und beurteilen, wonach sie auch sucht.
Symptom 2 von 5
Oft unterschätzt, weil ihre Ursache diffuser wirkt. Dabei steckt handfeste Biologie dahinter, keine reine Kopfsache.
Was im Körper passiert
Östrogen hält im Gehirn mehrere Botenstoffsysteme im Gleichgewicht, darunter Serotonin und Noradrenalin, die für Stimmung und Schlaf wichtig sind. Noch entscheidender: Progesteron wird im Körper zu Allopregnanolon umgewandelt — einem Stoff, der wie ein sanftes, körpereigenes Beruhigungsmittel wirkt und an denselben Rezeptoren andockt wie viele beruhigende Medikamente. Sinkt Progesteron, fehlt dieser natürliche Ruhemechanismus.
Bei Schlafproblemen kommen zwei Dinge zusammen: Nächtliche Hitzewallungen unterbrechen den Schlaf direkt. Gleichzeitig verändert der Hormonrückgang die Schlafarchitektur selbst, der Schlaf wird leichter und störanfälliger, auch ohne spürbare Hitzewallungen.
Was die Schulmedizin macht
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I)
Wird in der AWMF-Leitlinie bei Schlafstörungen an erster Stelle genannt. Kombiniert Schlafrestriktion, feste Zeiten und Arbeit an Gedanken rund ums Einschlafen. Studien bei perimenopausalen Frauen zeigen deutliche Verbesserungen, ohne Nebenwirkungen.
SSRI / SNRI
Bei manifester depressiver Episode wie in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig Hilfe bei Hitzewallungen, doppelter Nutzen bei Überlappung beider Symptome.
Schlafmittel (Benzodiazepine / Z-Substanzen)
Nur kurzfristig empfohlen, maximal 4 Wochen wegen Abhängigkeitsrisiko. Behandeln das Symptom, nicht die Ursache.
Was die Kräuterkunde macht
Hopfen, offiziell anerkannt
Die einzige Pflanze beider Tinkturen mit Kommission-E- und HMPC-Anerkennung speziell für "Unruhe, Nervosität und Schlafunterstützung". Postulierter GABAerger Wirkmechanismus, ähnlich dem körpereigenen Beruhigungssystem, das durch den Progesteronrückgang geschwächt wird. Nicht spezifisch für Wechseljahre, aber offiziell anerkannt.
Schisandra
Beruhigt die Stressachse des Körpers, ein adaptogener Ansatz, der innerer Unruhe entgegenwirken kann. Kein direkter Schlaf-Nachweis für Wechseljahre, aber plausibles Wirkprinzip.
Einordnung
Hopfen ist hier die stärkste Option, mit offizieller Anerkennung. Für die leichteren Alltagsbeschwerden (innere Unruhe, Einschlafschwierigkeiten) kann er ein gut begründeter erster Schritt sein. Bei echter Depression oder schwerer Insomnie ist ärztliche Begleitung der sinnvollste erste Weg, die KVT-I zeigt langfristig bessere Ergebnisse als jedes pflanzliche Mittel.
Symptom 3 von 5
Betrifft je nach Studie 27–84 % der Frauen nach den Wechseljahren, und wird ohne Behandlung meist schlimmer, nicht besser.
Was im Körper passiert
Die Schleimhaut in Scheide und Blase braucht Östrogen, um dick, elastisch und gut durchblutet zu bleiben. Fehlt Östrogen, wird das Gewebe dünner und empfindlicher. Gleichzeitig verändert sich das Scheidenmilieu: Es wird weniger sauer, was Infekten Tür und Tor öffnet. Das Ergebnis: Trockenheit, Brennen, Schmerzen, häufigere Blasenentzündungen.
Anders als Hitzewallungen, die oft mit der Zeit nachlassen, nimmt dieses Symptom ohne Behandlung meist zu — ein wichtiger Grund, es nicht zu ignorieren.
Was die Schulmedizin macht
Lokale Östrogen-Creme / Vaginalring
Wirkt genau dort, wo das Gewebe es braucht, minimale systemische Aufnahme. Gilt in großen Studien als sicher auch für Frauen, die keine Hormontabletten nehmen dürfen. Von der AWMF-Leitlinie empfohlen.
Prasteron (vaginales DHEA)
Wird intrazellulär im Vaginalgewebe selbst in Östrogene/Androgene umgewandelt, ohne relevante systemische Hormonspiegel zu erhöhen.
Ospemifen (SERM oral)
Östrogenagonistisch an der Vagina, neutral am Brustgewebe. Option wenn lokale Östrogene nicht infrage kommen.
Was die Kräuterkunde macht
Einordnung
Keines der Kräuter wurde je gezielt auf vaginale Trockenheit oder Blasenbeschwerden hin untersucht. Und vergleichbare Pflanzenstoffe mit ähnlichem Wirkprinzip, etwa Soja-Isoflavone oder Traubensilberkerze, zeigten in Studien nach einem Jahr keinerlei Wirkung auf die Trockenheit. Die schwache phytoöstrogene Wirkung reicht hier offenbar nicht aus. Bei diesen Beschwerden ist ärztliche Beratung der sinnvollste erste Schritt — die schulmedizinischen Optionen sind wirksam, gut verträglich und für die meisten Frauen geeignet.
Symptom 4 von 5
Typisch für die Perimenopause, die oft turbulente Phase vor den eigentlichen Wechseljahren. Hier zeigt Mönchspfeffer seinen stärksten wissenschaftlichen Rückhalt.
Was im Körper passiert
In der frühen Perimenopause schwankt die Follikelaktivität stark, manche Zyklen verlaufen ohne Eisprung, wodurch das ausgleichende Progesteron fehlt, während Östrogen zeitweise noch normal oder erhöht ist. Das erklärt: unregelmäßige Blutungen, Spannungsgefühl in der Brust, PMS-ähnliche Stimmungsschwankungen, Ödemneigung.
Zyklische Mastodynie (Brustspannen) hängt zusätzlich mit Prolaktin zusammen, einem Hormon, das in dieser Phase empfindlicher reagiert und an einem Dopamin-Rezeptor in der Hirnanhangdrüse gesteuert wird.
Was die Schulmedizin macht
Zyklisches Progesteron
Bei fehlendem Ausgleichshormon zyklisch ergänzt, um den Zyklus zu stabilisieren und die Endometriumproliferation zu kontrollieren.
Dopamin-Agonisten (bei Mastodynie)
Aktivieren denselben Dopamin-Rezeptor in der Hirnanhangdrüse, der Prolaktin steuert, senken dadurch Brustspannen direkt am Ursprungsort.
Was die Kräuterkunde macht
Mönchspfeffer — Vitex agnus-castus
Wirkt nachweislich am selben Dopamin-Rezeptor wie die schulmedizinischen Medikamente gegen Brustspannen, nur pflanzlich und schwächer. EU-Kräutermonographie mit "well-established use" für PMS und "traditional use" für leichte prämenstruelle Beschwerden. Von der HMPC offiziell anerkannt. Einer der am besten wissenschaftlich abgesicherten Kräuter überhaupt in diesem Kontext.
Frauenmantel — Alchemilla vulgaris
Traditionell in der europäischen Klosterheilkunde zur "Frauenregulierung" eingesetzt. Bislang fehlt eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Effekt, die anerkannte Wirkung von Frauenmantel betrifft eigentlich einen anderen Bereich (Gerbstoffe, Schleimhäute).
Einordnung
Mönchspfeffer ist bei perimenopausalen Beschwerden, Brustspannen und PMS-artigen Symptomen das am stärksten belegte Kraut des gesamten Sets. Die HMPC-Monographie gibt ihm einen klaren wissenschaftlichen Rückhalt. Empfohlene Mindestanwendungsdauer: 3 Monate. Wichtig: Bei östrogensensitiven Tumoren oder Prolaktinom ärztliche Abklärung vor der Einnahme.
Symptom 5 von 5
Nicht alle Kräuter zielen auf die klassischen Wechseljahresbeschwerden. Vier der zehn unterstützen eher allgemeine Bereiche, die in den Wechseljahren aber häufiger zum Thema werden.
Was im Körper passiert
Mit sinkendem Östrogen verändert sich auch der Stoffwechsel: Fettverteilung verschiebt sich, Insulinsensitivität nimmt ab, Entzündungsneigung steigt leicht an. Diese Veränderungen sind kein Kernsymptom der Wechseljahre im engeren Sinne, aber sie beeinflussen das allgemeine Wohlbefinden erheblich und können langfristig das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen.
Was die Schulmedizin macht
Bei Blutzuckerveränderungen: Ernährungsberatung, Bewegung, bei Bedarf Metformin. Bei Gewichtszunahme: keine spezifische Wechseljahres-Behandlung, aber HRT kann Körperfettverteilung positiv beeinflussen. Bei erhöhtem Blutdruck / Cholesterin: Standardtherapie.
Was die Kräuterkunde macht
Berberin (Berberitze)
Wirkt über einen Mechanismus, der dem des Diabetes-Medikaments Metformin ähnelt, beeinflusst den Blutzuckerstoffwechsel. Einer der am intensivsten erforschten Pflanzenwirkstoffe. Aber: allgemeine Unterstützung, keine spezifische Wechseljahres-Indikation.
Ingwer
Entzündungshemmend ähnlich wie frei verkäufliche Schmerzmittel, aber über einen doppelten Wirkweg. Gut verträglich, universell eingesetzt in allen Heiltraditionen. Eher als allgemeines Wohlbefindens-Kraut zu verstehen.
Schwarzkümmel — Nigella sativa
Über 3.000 Jahre in Orient und Ayurveda genutzt. Traditionell für Verdauung, Immunsystem, allgemeines Wohlbefinden. Intensiv erforschter Wirkstoff Thymochinon. Kein spezifischer Wechseljahres-Ansatz, aber gut verträgliche allgemeine Unterstützung.
Bockshornklee
Enthält Diosgenin, ein Steroidsaponin mit entfernt hormonähnlicher Struktur. Traditionell eher mit Laktation als mit Zyklusregulierung in Verbindung gebracht. Allgemeine Unterstützung von Stoffwechsel und Wohlbefinden.
Einordnung
Diese vier Kräuter sind keine gezielten Wechseljahres-Behandlungen. Sie unterstützen allgemeine Körperfunktionen, die in den Wechseljahren häufiger unter Druck geraten. Das ist nicht nichts, aber die Erwartung sollte stimmen. Berberin und Ingwer haben den stärksten wissenschaftlichen Hintergrund; Schwarzkümmel und Bockshornklee stützen sich stärker auf Tradition.
Die wichtigste Botschaft in einem Satz: Die Schulmedizin greift meist direkt und stark in genau den einen Mechanismus ein, der ein Symptom auslöst, mit guter Studienlage, aber auch mit möglichen Nebenwirkungen. Die Kräuterkunde setzt sanfter und oft an mehreren Stellen gleichzeitig an, stützt sich teils auf Jahrhunderte an Erfahrung und in einzelnen Fällen auf gute Studien, für andere Kräuter steht eine vergleichbar solide wissenschaftliche Bestätigung noch aus. Beide Wege können sich sinnvoll ergänzen — welcher im Einzelfall der richtige ist, sollte im Zweifel ärztlich besprochen werden.
Drei kompakte Tabellen, für Frauen, die schnell nachschlagen wollen, welches Kraut wo ansetzt, was die Schulmedizin bei welchem Symptom macht und welche Evidenz hinter den Kräutern steckt.
Welcher Ansatz setzt wo an, und wie unterscheiden sich die Wirkprinzipien?
| Symptom | Schulmedizin — Ansatz | Schulmedizin — Studienlage | Kräuter, bester Ansatz | Kräuter — Studienlage |
|---|---|---|---|---|
| Hitzewallungen | HRT stellt Östrogen wieder her; NK3-Antagonisten blockieren Auslöser direkt; SSRI/SNRI über Botenstoffe | Mehrere große kontrollierte Studien; neue nicht-hormonelle Wirkstoffe seit 2023 zugelassen | Hopfen (Phytoöstrogen), Shatavari (Hormonachse), Schisandra (Stressachse) | Einzelne positive Studien; Wirkmechanismus gut beschrieben; unabhängige Replikation in größeren Studien noch ausstehend |
| Psyche & Schlaf | KVT-I für Insomnie; SSRI/SNRI bei Depression; HRT indirekt über Hitzewallungen | Mehrere kontrollierte Studien; KVT-I zeigt anhaltende Effekte nach Abschluss der Therapie | Hopfen (offiziell anerkannt für Unruhe & Schlaf) | Offizielle Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (HMPC); Kommission E; Wirkmechanismus noch nicht vollständig erforscht |
| Intimbereich | Lokale Östrogene (Creme/Ring) — wirken direkt am Gewebe, minimale Systemwirkung | Große kontrollierte Studien; minimale systemische Aufnahme bei lokaler Anwendung | Kein Kraut mit Nachweis für dieses Symptom | Keine kontrollierten Studien für dieses Symptom vorhanden |
| Zyklus & PMS | Zyklisches Progesteron; Dopamin-Agonisten gegen Brustspannen | Gut untersucht bei festgestelltem Progesteronmangel und zyklischen Beschwerden | Mönchspfeffer, wirkt am selben Dopamin-Rezeptor wie Schulmedizin | Offizielle HMPC-Monographie; mehrere kontrollierte Studien zu PMS und Brustspannen |
| Stoffwechsel | Lebensstil zuerst; bei Bedarf Metformin, Blutdruck-/Cholesterin-Mittel | Gut untersucht für einzelne Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck); wenig spezifisch für Wechseljahres-Stoffwechsel | Berberin (Metformin-ähnlich), Ingwer (entzündungshemmend) | Einzelne positive Studien zu Stoffwechsel-Parametern; traditionelle Nutzung in mehreren Kulturen |
Kompaktes Profil der 10 wichtigsten Kräuter aus die pflanzlichen Tinkturen, mit Herkunft, Wirkmechanismus und regulatorischem Status.
| Kraut | Herkunft | Hauptwirkstoffe | Wirkmechanismus |
|---|---|---|---|
| Mönchspfeffer Vitex agnus-castus |
Mittelmeer · Europa | Iridoidglykoside, Flavonoide | Dopamin-Rezeptor-Agonist — senkt Prolaktin, stabilisiert Zyklus; HMPC-Monographie vorhanden |
| Shatavari Asparagus racemosus |
Indien · Himalaya | Shatavarine I–VI, Rutin | ERα-Bindung (SERM-artig), adaptogen; RCT 2025 zeigte Veränderungen der Hormonwerte FSH/LH |
| Angelica sinensis Dong Quai |
Westchina · Tibet | Ligustilid, Ferulasäure, Cumarine | Über 2.000 Jahre zentrales Frauenkraut der TCM; westliche Studienlage für Hitzewallungen bislang ohne Nachweis |
| Frauenmantel Alchemilla vulgaris |
Europa | Tannine, Flavonoide | Zusammenziehend auf Schleimhäute; seit dem Mittelalter in der europäischen Frauenheilkunde |
| Hopfen Humulus lupulus |
Europa | 8-Prenylnaringenin, 2-Methyl-3-buten-2-ol | ERα-Bindung (Phytoöstrogen) und GABAerger Mechanismus (Schlaf/Unruhe); HMPC- und Kommission-E-Monographie |
| Schisandra Schisandra chinensis |
Nordostchina · Russland | Schizandrin A/B/C, organische Säuren | Adaptogen — moduliert Stressachse und Cortisol; RCT zeigte Reduktion klimakterischer Symptome |
| Schwarzkümmel Nigella sativa |
Orient · Ägypten | Thymochinon, Fettsäuren | Antioxidativ, entzündungshemmend, immunmodulatorisch; seit über 3.000 Jahren genutzt |
| Bockshornklee Trigonella foenum-graecum |
Orient · Indien | Diosgenin, Trigonellin, Schleimstoffe | Steroidsaponin mit hormonähnlicher Struktur; eine der ältesten bekannten Nutzpflanzen |
| Berberin Berberis vulgaris |
Asien · Europa | Berberin (Isochinolinalkaloid) | AMPK-Aktivierung — beeinflusst Blutzuckerstoffwechsel ähnlich wie Metformin |
| Ingwer Zingiber officinale |
Alle Traditionen | Gingerole, Shogaole | COX-1/COX-2-Hemmung (doppelter Weg), entzündungshemmend; in allen großen Heiltraditionen verankert |
| Traubensilberkerze Cimicifuga racemosa |
Nordamerika | Triterpenglykoside, Zimtsäureester | Serotonerger Mechanismus vermutet; HMPC-Monographie vorhanden; Cochrane-Review ohne eindeutiges Ergebnis |
| Rotklee Trifolium pratense |
Europa | Isoflavone (Formononetin, Biochanin A) | ERβ-Bindung (Phytoöstrogen); Wirkung teilweise abhängig von Umwandlung durch Darmflora zu Equol |
| Soja-Isoflavone Glycine max |
Ostasien | Genistein, Daidzein | ERβ-Bindung; in Japan und Korea traditionell über Nahrung aufgenommen; Equol-Produktion individuell verschieden |
| Salbei Salvia officinalis |
Mittelmeer · Europa | Thujon, Campher, Cineol, Rosmarinsäure | Wirkt an Schweißdrüsen und vegetativem Nervensystem; kein Hormonsystem-Bezug; HMPC-Monographie vorhanden |
Quellen: EU-Kräutermonographien der HMPC (EMA), Kommission E, PubMed-Datenbank, WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Vor der Einnahme von Kräutern bei Vorerkrankungen oder Medikamenten: Rücksprache mit der Ärztin empfohlen.
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