Schulmedizin & Kräuterkunde im Vergleich

Wechseljahre verstehen — Symptom für Symptom

Was passiert im Körper, und wie gehen Schulmedizin und Kräuterkunde damit um? Fünf Symptomkomplexe, ehrlich eingeordnet. Mit wissenschaftlicher Evidenz-Bewertung für jedes Kraut.

Lesezeit: ca. 20 Min. Recherchestand: September 2026 Quellen am Ende der Seite

Der grundlegende Unterschied

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine hormonelle Umstellung. Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Östrogen und Progesteron, und dieser Rückgang betrifft nicht nur die Fortpflanzungsorgane. Östrogen wirkt im ganzen Körper mit: auf die Temperaturregulation im Gehirn, auf die Stimmung, auf den Schlaf, auf das Gewebe im Intimbereich. Deshalb fühlen sich die Wechseljahre für viele Frauen wie ein Umbau an mehreren Baustellen gleichzeitig an.

Es gibt im Wesentlichen zwei sehr unterschiedliche Wege, diesem Umbau zu begegnen. Beide setzen an echten, teils denselben körperlichen Vorgängen an — nur mit sehr unterschiedlichen Mitteln, unterschiedlicher Stärke und unterschiedlich guter wissenschaftlicher Absicherung.

Schulmedizin

Direkt und rezeptorspezifisch

Isoliert meist einen hochwirksamen Stoff und lässt ihn gezielt an einer bestimmten Stelle andocken. Wirkt stark und zuverlässig, ist in großen Studien geprüft, kann aber Nebenwirkungen haben und ist nicht für jede Frau geeignet.

Kräuterkunde

Sanft und vielschichtig

Verwendet die ganze Pflanze mit vielen Inhaltsstoffen gleichzeitig. Wirkt meist schwächer, oft an mehreren Stellen zugleich. Stützt sich auf jahrhundertelange Erfahrung, für einige Kräuter inzwischen auch auf belastbare Studien.

Symptom 1 von 5

Hitzewallungen & nächtliche Schweißausbrüche

Das am häufigsten berichtete Symptom, und das am besten verstandene. Rund drei von vier Frauen erleben es, bei manchen über ein Jahrzehnt oder länger.

Was im Körper passiert

Im Hypothalamus sitzt eine Gruppe von Nervenzellen, die sogenannten KNDy-Neurone, die wie ein Thermostat des Körpers funktionieren. Solange genügend Östrogen vorhanden ist, hält das Hormon diese Zellen ruhig. Fällt der Östrogenspiegel, verlieren die Zellen diese Bremse, werden hyperaktiv und aktivieren das Temperaturregulationszentrum übermäßig stark.

Die Folge: Der Toleranzbereich für Temperaturschwankungen wird sehr viel enger. Schon eine minimale Erwärmung reicht, damit der Körper mit voller Wucht gegensteuert — Blutgefäße weiten sich, man schwitzt, das Herz schlägt schneller. Tagsüber: Hitzewallung. Nachts: Schweißausbruch, oft gefolgt von einem Kälteschauer.

Dieses System steht eng mit Serotonin und Noradrenalin in Verbindung, das erklärt, warum manche Medikamente gegen Depression auch bei Hitzewallungen helfen.

Was die Schulmedizin macht

Hormonelle und nicht-hormonelle Ansätze

Hormonersatztherapie (HRT)

Stellt die hemmende Wirkung auf die Nervenzellen direkt wieder her. Laut AWMF-S3-Leitlinie 2026 weiterhin wirksamste Behandlung. Wichtig: Zeitfenster, je früher nach letzter Regelblutung, desto günstiger das Nutzen-Risiko-Verhältnis.

Fezolinetant (Veoza®) & Elinzanetant (Lynkuet®)

Zwei neu zugelassene Wirkstoffe (2023/2025), die direkt den Botenstoff blockieren, der die überaktiven Nervenzellen stimuliert, ohne Hormone. Erster kausaler, nicht-hormoneller Ansatz überhaupt.

SSRI / SNRI (niedrig dosiert)

Antidepressiva wie Paroxetin oder Venlafaxin senken die Häufigkeit von Hitzewallungen um 25–69 % gegenüber Placebo, über die Serotonin/Noradrenalin-Schaltkreise, nicht über Hormone.

Gabapentin

Dämpft überaktive Nervenzellen allgemein. In hoher Dosierung (2.400 mg/d) vergleichbar mit niedrig dosiertem Östrogen, ungünstiges Nebenwirkungsprofil bei hoher Dosis.

Mehr lesen: Hitzewallungen

Was die Kräuterkunde macht

Phytoöstrogene und Stressachsen-Modulation

Hopfen — 8-Prenylnaringenin

Eines der stärksten bekannten pflanzlichen Phytoöstrogene. Dockt an denselben Rezeptoren an wie Östrogen, deutlich schwächer. Zwei RCTs mit positiven Ergebnissen. Mechanistisch die direkteste Parallele zur HRT unter diesen Kräutern.

Shatavari — Rutin / Shatavarine

RCT 2025 (75 Frauen, 120 Tage): signifikante Reduktion der Beschwerden und Veränderungen der Hormonwerte FSH/LH — Hinweis auf tatsächlichen Eingriff in die Hormonachse. Bislang eine herstellernahe Studie, Replikation ausstehend.

Schisandra

Wirkt nicht über Östrogenrezeptoren, sondern adaptogen über die Stressachse (Cortisol-Suppression). RCT mit 36 Frauen zeigte Reduktion des Gesamtsymptomscores, am stärksten bei Hitzewallungen. Anderem Wirkmechanismus als HRT.

Angelica sinensis (Dong Quai)

Traditionell eingesetzt, aber in der methodisch saubersten Studie (Hirata et al. 1997, RCT) kein Unterschied zu Placebo bei vasomotorischen Symptomen. Ein Fall, wo Theorie und klinische Realität auseinanderfallen.

Einordnung

Keines der Kräuter erreicht die Wirkstärke der HRT oder der neuen NK3-Antagonisten. Hopfen und Shatavari zeigen in Einzelstudien positive Signale, große, unabhängige Studien stehen noch aus. Schisandra wirkt über einen anderen Weg und kann ergänzend hilfreich sein. Angelica sinensis hat für Hitzewallungen noch keinen Wirknachweis durch westliche Studien, aber eine über 2.000 Jahre alte, zentrale Rolle in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Eine Pflanze, die in einem so beständigen und ausgefeilten Medizinsystem diese Stellung einnimmt, sollte nicht vorschnell als wirkungslos bewertet werden. Fehlende Evidenz ist nicht dasselbe wie fehlende Wirkung, die Wissenschaft kann nur finden und beurteilen, wonach sie auch sucht.

Symptom 2 von 5

Psyche, Stimmung & Schlafstörungen

Oft unterschätzt, weil ihre Ursache diffuser wirkt. Dabei steckt handfeste Biologie dahinter, keine reine Kopfsache.

Was im Körper passiert

Östrogen hält im Gehirn mehrere Botenstoffsysteme im Gleichgewicht, darunter Serotonin und Noradrenalin, die für Stimmung und Schlaf wichtig sind. Noch entscheidender: Progesteron wird im Körper zu Allopregnanolon umgewandelt — einem Stoff, der wie ein sanftes, körpereigenes Beruhigungsmittel wirkt und an denselben Rezeptoren andockt wie viele beruhigende Medikamente. Sinkt Progesteron, fehlt dieser natürliche Ruhemechanismus.

Bei Schlafproblemen kommen zwei Dinge zusammen: Nächtliche Hitzewallungen unterbrechen den Schlaf direkt. Gleichzeitig verändert der Hormonrückgang die Schlafarchitektur selbst, der Schlaf wird leichter und störanfälliger, auch ohne spürbare Hitzewallungen.

Was die Schulmedizin macht

Verhaltenstherapie vor Medikamenten: bei Schlaf wie bei Stimmung

Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I)

Wird in der AWMF-Leitlinie bei Schlafstörungen an erster Stelle genannt. Kombiniert Schlafrestriktion, feste Zeiten und Arbeit an Gedanken rund ums Einschlafen. Studien bei perimenopausalen Frauen zeigen deutliche Verbesserungen, ohne Nebenwirkungen.

SSRI / SNRI

Bei manifester depressiver Episode wie in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig Hilfe bei Hitzewallungen, doppelter Nutzen bei Überlappung beider Symptome.

Schlafmittel (Benzodiazepine / Z-Substanzen)

Nur kurzfristig empfohlen, maximal 4 Wochen wegen Abhängigkeitsrisiko. Behandeln das Symptom, nicht die Ursache.

Mehr lesen: Stimmung und Schlaf

Was die Kräuterkunde macht

Hopfen mit offizieller Anerkennung: Schisandra adaptogen

Hopfen, offiziell anerkannt

Die einzige Pflanze beider Tinkturen mit Kommission-E- und HMPC-Anerkennung speziell für "Unruhe, Nervosität und Schlafunterstützung". Postulierter GABAerger Wirkmechanismus, ähnlich dem körpereigenen Beruhigungssystem, das durch den Progesteronrückgang geschwächt wird. Nicht spezifisch für Wechseljahre, aber offiziell anerkannt.

Schisandra

Beruhigt die Stressachse des Körpers, ein adaptogener Ansatz, der innerer Unruhe entgegenwirken kann. Kein direkter Schlaf-Nachweis für Wechseljahre, aber plausibles Wirkprinzip.

Einordnung

Hopfen ist hier die stärkste Option, mit offizieller Anerkennung. Für die leichteren Alltagsbeschwerden (innere Unruhe, Einschlafschwierigkeiten) kann er ein gut begründeter erster Schritt sein. Bei echter Depression oder schwerer Insomnie ist ärztliche Begleitung der sinnvollste erste Weg, die KVT-I zeigt langfristig bessere Ergebnisse als jedes pflanzliche Mittel.

Symptom 3 von 5

Trockenheit im Intimbereich & Blasenbeschwerden

Betrifft je nach Studie 27–84 % der Frauen nach den Wechseljahren, und wird ohne Behandlung meist schlimmer, nicht besser.

Was im Körper passiert

Die Schleimhaut in Scheide und Blase braucht Östrogen, um dick, elastisch und gut durchblutet zu bleiben. Fehlt Östrogen, wird das Gewebe dünner und empfindlicher. Gleichzeitig verändert sich das Scheidenmilieu: Es wird weniger sauer, was Infekten Tür und Tor öffnet. Das Ergebnis: Trockenheit, Brennen, Schmerzen, häufigere Blasenentzündungen.

Anders als Hitzewallungen, die oft mit der Zeit nachlassen, nimmt dieses Symptom ohne Behandlung meist zu — ein wichtiger Grund, es nicht zu ignorieren.

Was die Schulmedizin macht

Lokale Behandlung mit guter Datenlage

Lokale Östrogen-Creme / Vaginalring

Wirkt genau dort, wo das Gewebe es braucht, minimale systemische Aufnahme. Gilt in großen Studien als sicher auch für Frauen, die keine Hormontabletten nehmen dürfen. Von der AWMF-Leitlinie empfohlen.

Prasteron (vaginales DHEA)

Wird intrazellulär im Vaginalgewebe selbst in Östrogene/Androgene umgewandelt, ohne relevante systemische Hormonspiegel zu erhöhen.

Ospemifen (SERM oral)

Östrogenagonistisch an der Vagina, neutral am Brustgewebe. Option wenn lokale Östrogene nicht infrage kommen.

Mehr lesen: Intimbereich

Was die Kräuterkunde macht

Ehrlich: Hier gibt es keine belegte pflanzliche Antwort

Einordnung

Keines der Kräuter wurde je gezielt auf vaginale Trockenheit oder Blasenbeschwerden hin untersucht. Und vergleichbare Pflanzenstoffe mit ähnlichem Wirkprinzip, etwa Soja-Isoflavone oder Traubensilberkerze, zeigten in Studien nach einem Jahr keinerlei Wirkung auf die Trockenheit. Die schwache phytoöstrogene Wirkung reicht hier offenbar nicht aus. Bei diesen Beschwerden ist ärztliche Beratung der sinnvollste erste Schritt — die schulmedizinischen Optionen sind wirksam, gut verträglich und für die meisten Frauen geeignet.

Symptom 4 von 5

Unregelmäßige Zyklen, Brustspannen & PMS-artige Beschwerden

Typisch für die Perimenopause, die oft turbulente Phase vor den eigentlichen Wechseljahren. Hier zeigt Mönchspfeffer seinen stärksten wissenschaftlichen Rückhalt.

Was im Körper passiert

In der frühen Perimenopause schwankt die Follikelaktivität stark, manche Zyklen verlaufen ohne Eisprung, wodurch das ausgleichende Progesteron fehlt, während Östrogen zeitweise noch normal oder erhöht ist. Das erklärt: unregelmäßige Blutungen, Spannungsgefühl in der Brust, PMS-ähnliche Stimmungsschwankungen, Ödemneigung.

Zyklische Mastodynie (Brustspannen) hängt zusätzlich mit Prolaktin zusammen, einem Hormon, das in dieser Phase empfindlicher reagiert und an einem Dopamin-Rezeptor in der Hirnanhangdrüse gesteuert wird.

Was die Schulmedizin macht

Gezielte hormonelle Ergänzung und Prolaktin-Steuerung

Zyklisches Progesteron

Bei fehlendem Ausgleichshormon zyklisch ergänzt, um den Zyklus zu stabilisieren und die Endometriumproliferation zu kontrollieren.

Dopamin-Agonisten (bei Mastodynie)

Aktivieren denselben Dopamin-Rezeptor in der Hirnanhangdrüse, der Prolaktin steuert, senken dadurch Brustspannen direkt am Ursprungsort.

Mehr lesen: Zyklus und PMS

Was die Kräuterkunde macht

Mönchspfeffer: der überzeugendste wissenschaftliche Treffer in dieser Auswahl

Mönchspfeffer — Vitex agnus-castus

Wirkt nachweislich am selben Dopamin-Rezeptor wie die schulmedizinischen Medikamente gegen Brustspannen, nur pflanzlich und schwächer. EU-Kräutermonographie mit "well-established use" für PMS und "traditional use" für leichte prämenstruelle Beschwerden. Von der HMPC offiziell anerkannt. Einer der am besten wissenschaftlich abgesicherten Kräuter überhaupt in diesem Kontext.

Frauenmantel — Alchemilla vulgaris

Traditionell in der europäischen Klosterheilkunde zur "Frauenregulierung" eingesetzt. Bislang fehlt eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Effekt, die anerkannte Wirkung von Frauenmantel betrifft eigentlich einen anderen Bereich (Gerbstoffe, Schleimhäute).

Einordnung

Mönchspfeffer ist bei perimenopausalen Beschwerden, Brustspannen und PMS-artigen Symptomen das am stärksten belegte Kraut des gesamten Sets. Die HMPC-Monographie gibt ihm einen klaren wissenschaftlichen Rückhalt. Empfohlene Mindestanwendungsdauer: 3 Monate. Wichtig: Bei östrogensensitiven Tumoren oder Prolaktinom ärztliche Abklärung vor der Einnahme.

Symptom 5 von 5

Stoffwechsel, Verdauung & allgemeines Wohlbefinden

Nicht alle Kräuter zielen auf die klassischen Wechseljahresbeschwerden. Vier der zehn unterstützen eher allgemeine Bereiche, die in den Wechseljahren aber häufiger zum Thema werden.

Was im Körper passiert

Mit sinkendem Östrogen verändert sich auch der Stoffwechsel: Fettverteilung verschiebt sich, Insulinsensitivität nimmt ab, Entzündungsneigung steigt leicht an. Diese Veränderungen sind kein Kernsymptom der Wechseljahre im engeren Sinne, aber sie beeinflussen das allgemeine Wohlbefinden erheblich und können langfristig das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen.

Was die Schulmedizin macht

Lebensstil zuerst: Medikamente bei konkretem Bedarf

Bei Blutzuckerveränderungen: Ernährungsberatung, Bewegung, bei Bedarf Metformin. Bei Gewichtszunahme: keine spezifische Wechseljahres-Behandlung, aber HRT kann Körperfettverteilung positiv beeinflussen. Bei erhöhtem Blutdruck / Cholesterin: Standardtherapie.

Was die Kräuterkunde macht

Allgemeine Unterstützung: kein spezifischer Wechseljahres-Ansatz

Berberin (Berberitze)

Wirkt über einen Mechanismus, der dem des Diabetes-Medikaments Metformin ähnelt, beeinflusst den Blutzuckerstoffwechsel. Einer der am intensivsten erforschten Pflanzenwirkstoffe. Aber: allgemeine Unterstützung, keine spezifische Wechseljahres-Indikation.

Ingwer

Entzündungshemmend ähnlich wie frei verkäufliche Schmerzmittel, aber über einen doppelten Wirkweg. Gut verträglich, universell eingesetzt in allen Heiltraditionen. Eher als allgemeines Wohlbefindens-Kraut zu verstehen.

Schwarzkümmel — Nigella sativa

Über 3.000 Jahre in Orient und Ayurveda genutzt. Traditionell für Verdauung, Immunsystem, allgemeines Wohlbefinden. Intensiv erforschter Wirkstoff Thymochinon. Kein spezifischer Wechseljahres-Ansatz, aber gut verträgliche allgemeine Unterstützung.

Bockshornklee

Enthält Diosgenin, ein Steroidsaponin mit entfernt hormonähnlicher Struktur. Traditionell eher mit Laktation als mit Zyklusregulierung in Verbindung gebracht. Allgemeine Unterstützung von Stoffwechsel und Wohlbefinden.

Einordnung

Diese vier Kräuter sind keine gezielten Wechseljahres-Behandlungen. Sie unterstützen allgemeine Körperfunktionen, die in den Wechseljahren häufiger unter Druck geraten. Das ist nicht nichts, aber die Erwartung sollte stimmen. Berberin und Ingwer haben den stärksten wissenschaftlichen Hintergrund; Schwarzkümmel und Bockshornklee stützen sich stärker auf Tradition.

Mehr lesen: Stoffwechsel

Die wichtigste Botschaft in einem Satz: Die Schulmedizin greift meist direkt und stark in genau den einen Mechanismus ein, der ein Symptom auslöst, mit guter Studienlage, aber auch mit möglichen Nebenwirkungen. Die Kräuterkunde setzt sanfter und oft an mehreren Stellen gleichzeitig an, stützt sich teils auf Jahrhunderte an Erfahrung und in einzelnen Fällen auf gute Studien, für andere Kräuter steht eine vergleichbar solide wissenschaftliche Bestätigung noch aus. Beide Wege können sich sinnvoll ergänzen — welcher im Einzelfall der richtige ist, sollte im Zweifel ärztlich besprochen werden.

Alle Übersichten auf einen Blick

Drei kompakte Tabellen, für Frauen, die schnell nachschlagen wollen, welches Kraut wo ansetzt, was die Schulmedizin bei welchem Symptom macht und welche Evidenz hinter den Kräutern steckt.

Tabelle 2: Schulmedizin vs. Kräuterkunde: Symptom für Symptom

Welcher Ansatz setzt wo an, und wie unterscheiden sich die Wirkprinzipien?

Symptom Schulmedizin — Ansatz Schulmedizin — Studienlage Kräuter, bester Ansatz Kräuter — Studienlage
Hitzewallungen HRT stellt Östrogen wieder her; NK3-Antagonisten blockieren Auslöser direkt; SSRI/SNRI über Botenstoffe Mehrere große kontrollierte Studien; neue nicht-hormonelle Wirkstoffe seit 2023 zugelassen Hopfen (Phytoöstrogen), Shatavari (Hormonachse), Schisandra (Stressachse) Einzelne positive Studien; Wirkmechanismus gut beschrieben; unabhängige Replikation in größeren Studien noch ausstehend
Psyche & Schlaf KVT-I für Insomnie; SSRI/SNRI bei Depression; HRT indirekt über Hitzewallungen Mehrere kontrollierte Studien; KVT-I zeigt anhaltende Effekte nach Abschluss der Therapie Hopfen (offiziell anerkannt für Unruhe & Schlaf) Offizielle Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (HMPC); Kommission E; Wirkmechanismus noch nicht vollständig erforscht
Intimbereich Lokale Östrogene (Creme/Ring) — wirken direkt am Gewebe, minimale Systemwirkung Große kontrollierte Studien; minimale systemische Aufnahme bei lokaler Anwendung Kein Kraut mit Nachweis für dieses Symptom Keine kontrollierten Studien für dieses Symptom vorhanden
Zyklus & PMS Zyklisches Progesteron; Dopamin-Agonisten gegen Brustspannen Gut untersucht bei festgestelltem Progesteronmangel und zyklischen Beschwerden Mönchspfeffer, wirkt am selben Dopamin-Rezeptor wie Schulmedizin Offizielle HMPC-Monographie; mehrere kontrollierte Studien zu PMS und Brustspannen
Stoffwechsel Lebensstil zuerst; bei Bedarf Metformin, Blutdruck-/Cholesterin-Mittel Gut untersucht für einzelne Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck); wenig spezifisch für Wechseljahres-Stoffwechsel Berberin (Metformin-ähnlich), Ingwer (entzündungshemmend) Einzelne positive Studien zu Stoffwechsel-Parametern; traditionelle Nutzung in mehreren Kulturen

Tabelle 3: Die wichtigsten Kräuter: Tradition, Wirkmechanismus & Evidenz

Kompaktes Profil der 10 wichtigsten Kräuter aus die pflanzlichen Tinkturen, mit Herkunft, Wirkmechanismus und regulatorischem Status.

Kraut Herkunft Hauptwirkstoffe Wirkmechanismus
Mönchspfeffer
Vitex agnus-castus
Mittelmeer · Europa Iridoidglykoside, Flavonoide Dopamin-Rezeptor-Agonist — senkt Prolaktin, stabilisiert Zyklus; HMPC-Monographie vorhanden
Shatavari
Asparagus racemosus
Indien · Himalaya Shatavarine I–VI, Rutin ERα-Bindung (SERM-artig), adaptogen; RCT 2025 zeigte Veränderungen der Hormonwerte FSH/LH
Angelica sinensis
Dong Quai
Westchina · Tibet Ligustilid, Ferulasäure, Cumarine Über 2.000 Jahre zentrales Frauenkraut der TCM; westliche Studienlage für Hitzewallungen bislang ohne Nachweis
Frauenmantel
Alchemilla vulgaris
Europa Tannine, Flavonoide Zusammenziehend auf Schleimhäute; seit dem Mittelalter in der europäischen Frauenheilkunde
Hopfen
Humulus lupulus
Europa 8-Prenylnaringenin, 2-Methyl-3-buten-2-ol ERα-Bindung (Phytoöstrogen) und GABAerger Mechanismus (Schlaf/Unruhe); HMPC- und Kommission-E-Monographie
Schisandra
Schisandra chinensis
Nordostchina · Russland Schizandrin A/B/C, organische Säuren Adaptogen — moduliert Stressachse und Cortisol; RCT zeigte Reduktion klimakterischer Symptome
Schwarzkümmel
Nigella sativa
Orient · Ägypten Thymochinon, Fettsäuren Antioxidativ, entzündungshemmend, immunmodulatorisch; seit über 3.000 Jahren genutzt
Bockshornklee
Trigonella foenum-graecum
Orient · Indien Diosgenin, Trigonellin, Schleimstoffe Steroidsaponin mit hormonähnlicher Struktur; eine der ältesten bekannten Nutzpflanzen
Berberin
Berberis vulgaris
Asien · Europa Berberin (Isochinolinalkaloid) AMPK-Aktivierung — beeinflusst Blutzuckerstoffwechsel ähnlich wie Metformin
Ingwer
Zingiber officinale
Alle Traditionen Gingerole, Shogaole COX-1/COX-2-Hemmung (doppelter Weg), entzündungshemmend; in allen großen Heiltraditionen verankert
Traubensilberkerze
Cimicifuga racemosa
Nordamerika Triterpenglykoside, Zimtsäureester Serotonerger Mechanismus vermutet; HMPC-Monographie vorhanden; Cochrane-Review ohne eindeutiges Ergebnis
Rotklee
Trifolium pratense
Europa Isoflavone (Formononetin, Biochanin A) ERβ-Bindung (Phytoöstrogen); Wirkung teilweise abhängig von Umwandlung durch Darmflora zu Equol
Soja-Isoflavone
Glycine max
Ostasien Genistein, Daidzein ERβ-Bindung; in Japan und Korea traditionell über Nahrung aufgenommen; Equol-Produktion individuell verschieden
Salbei
Salvia officinalis
Mittelmeer · Europa Thujon, Campher, Cineol, Rosmarinsäure Wirkt an Schweißdrüsen und vegetativem Nervensystem; kein Hormonsystem-Bezug; HMPC-Monographie vorhanden

Quellen: EU-Kräutermonographien der HMPC (EMA), Kommission E, PubMed-Datenbank, WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Quellen & weiterführende Literatur

1AWMF S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause (Konsultationsfassung 2026): awmf.org
2The Menopause Society / NAMS Hormone Therapy Position Statement 2022: PubMed
3NAMS Nonhormone Therapy Position Statement 2023: washington.edu
4EMA — Fezolinetant (Veoza®): Pharmazeutische Zeitung 2024: pharmazeutische-zeitung.de
5Elinzanetant (Lynkuet®) EU-Zulassung November 2025: EMA
68-Prenylnaringenin (Hopfen): MDPI Molecules 2018: mdpi.com
7Shatavari RCT 2025 (CL22209): Functional Foods in Health and Disease: ffhdj.com
8Schisandra adaptogen — Panossian et al. 2007: journals.sagepub.com
9Hirata et al. 1997 (Dong Quai RCT): Fertility and Sterility: fertstert.org
10HMPC-Monographie Humulus lupulus (Hopfen): EMA
11HMPC-Monographie Vitex agnus-castus (Mönchspfeffer, Rev. 1, 2018): ema.europa.eu
12CBT-I bei perimenopausaler Insomnie: PubMed
13Cochrane Review Black Cohosh (Traubensilberkerze): cochrane.org
14Cochrane Review Phytoestrogens: cochrane.org

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Vor der Einnahme von Kräutern bei Vorerkrankungen oder Medikamenten: Rücksprache mit der Ärztin empfohlen.

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